Am 24. Oktober 1975 legten rund 90 % der isländischen Frauen ihre Arbeit nieder, bezahlt wie unbezahlt. Keine Kinderbetreuung, keine Krankenpflege, keine Sekretariate, kein Essen auf dem Tisch. Fabriken standen still, Schulen blieben geschlossen, Väter zogen mit ihren Kindern durch die Straßen von Reykjavík, weil zu Hause plötzlich niemand mehr da war, der sich kümmerte. An diesem einen Tag wurde sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt: wie viel unbezahlte und unterbezahlte Arbeit von Frauen täglich geleistet wird und was passiert, wenn sie plötzlich fehlt.
Der „Kvennafrídagurinn“, der freie Tag der Frauen, gilt bis heute als einer der wirkungsvollsten feministischen Streiks der Geschichte. Bereits ein Jahr später verabschiedete Island ein Gleichstellungsgesetz, 1980 wurde mit Vigdís Finnbogadóttir weltweit erstmals eine Frau demokratisch zur Staatspräsidentin gewählt. Ein einziger Tag kollektiver Arbeitsverweigerung setzte eine Entwicklung in Gang, die Island bis heute zu einem der Länder mit der höchsten Gleichstellung weltweit macht.
Von Reykjavík nach Österreich: Das geplante Frauen*streiken 2027
Fast fünfzig Jahre später stellt sich die Frage, was ein solcher Streik heute, und bei uns, bewirken könnte. Für den 3. Mai 2027 ist auch in Österreich ein Frauen*streiken geplant. Die Ausgangslage ist eine ähnliche wie 1975: Frauen leisten nach wie vor den überwiegenden Teil der unbezahlten Care-Arbeit, sind in Führungspositionen unterrepräsentiert und verdienen im Schnitt weniger als Männer. Ein Streiken wäre auch heute ein Mittel, diese strukturellen Schieflagen sichtbar zu machen.
Genau diesem Thema widmen wir uns am 29. September 2026 im Rechbauer-Kino Graz. Wir zeigen den Film „Ein Tag ohne Frauen“ (Englisch mit Untertiteln), der den isländischen Streik von 1975 nacherzählt, und diskutieren im Anschluss, was ein Frauen*streiken 2027 für Österreich bedeuten könnte.
Das Podium
- Anna Majcan, Grazer Frauenrat – zur aktuellen Mobilisierung und den Forderungen hinter dem geplanten Streiken
- Karin Schmidlechner-Lienhart, Historikerin – zur historischen Einordnung feministischer Streikbewegungen
- Irina Karamarković, Migrant:innenbeirat Graz – zur Perspektive migrantischer Frauen auf Arbeit, Sichtbarkeit und Solidarität
Alle Infos zur Veranstaltung (SOLD OUT)
- Wann: Dienstag, 29. September 2026, 17:30 Uhr
- Wo: Rechbauer-Kino Graz (Filmzentrum)
- Eintritt: kostenlos, freiwillige Spende für die Pink-Ribbon-Aktion der Krebshilfe Steiermark erbeten
- Plätze: https://www.eventbrite.at/e/kinoabend-zugunsten-der-pink-ribbon-aktion-der-krebshilfe-steiermark-tickets-1996629829568?aff=erelpanelorg
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Land Steiermark, der Stadt Graz (Frauen & Gleichstellung), der Österreichischen Krebshilfe Steiermark, dem Filmzentrum im Rechbauerkino und dem Polyfilm Verleih statt.
Komm vorbei, bring Nachbarinnen, Freundinnen, Kolleginnen oder deine Tochter mit und lass uns gemeinsam darüber sprechen, welche Kraft in einem einzigen Tag stecken kann, an dem Frauen laut werden.