Unsere neue Studie belegt: Sichtbarkeit von Frauen in steirischen Leitmedien weiterhin gering
Am 01. Juli 2026 wurde im Rahmen eines Presseabends die neue Studie von FELIN und MediaAffairs „Sichtbarkeit von Frauen in steirischen Leitmedien“ vorgestellt und diskutiert.
Bildpräsenz von Frauen nach wie vor gering
Frauen und Mädchen stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung dar. Basierend auf zahlreichen Untersuchungen und Studien zeigt sich jedoch, dass Frauen in vielen Bereichen nach wie vor nicht im gleichen Ausmaß an Entscheidungen sowie an der Verteilung von Macht oder Vermögen partizipieren können. Dies spiegelt sich auch in der medialen Berichterstattung wider: Der sogenannte Gender Visibility Gap beschreibt die strukturelle Unterrepräsentation von Frauen in Medieninhalten. Frauen sind seltener sichtbar und werden in bestimmten Themenfeldern deutlich weniger präsent dargestellt als Männer. Dadurch werden bestehende Ungleichheiten nicht nur abgebildet, sondern teilweise auch verstärkt.
Im Rahmen der vorliegenden Evaluierung wurden für den Zeitraum von 1. Dezember 2025 bis 28. Februar 2026 rund 15.000 Bilder in steirischen Medien vermessen und inhaltlich ausgewertet. Untersuchungsgegenstand sind dabei die Kronen Zeitung Steiermark, die Kleine Zeitung Steiermark, steiermark.orf.at (RSS-Feed) sowie Die Woche Steiermark (Ausgabe Graz).
Zentrale Fragestellungen
- In welchem Ausmaß werden Frauen und Männer in steirischen Leitmedien abgebildet?
- In welchen Themenbereichen und in welchen Kontexten erreichen Frauen und Männer in Medien Bildpräsenz?
- Zeigen sich stereotype Inszenierungen und Darstellungen in der medialen Berichterstattung?
- Welche Veränderungen lassen sich im Vergleich zum Jahr 2022 in der steirischen Medienlandschaft und in einzelnen medialen Kontexten beobachten?
Ergebnisse der Bilderanalysen im Kurzüberblick
In der Bildpräsenz liegen die Männer klar vorne: In den untersuchten steirischen Medien liegt der Anteil der Bildpräsenz von Frauen insgesamt bei 33 Prozent.

Vergleich der Bildpräsenz im Detail: Der Frauenanteil ist seit 2022 fast unverändert.

Die meisten Bilder stammen aus der Kronen Zeitung, gefolgt von der Kleinen Zeitung. Diese beiden Medien beeinflussen damit das Gesamtergebnis wesentlich stärker als etwa das Wochenmedium „Meine Woche“ oder die steiermark.orf.at-Seite, die im Untersuchungszeitraum deutlich weniger Bilder aufweisen. Aussagekräftig ist jedoch nicht nur die Quantität: Darüber hinaus braucht es einen detaillierteren Blick auf die Kategorien und Themenkontexte, in denen Frauen und Männer präsent sind. Diese zeigen Dynamiken, die dem erklärten Ziel des Abbaus von Rollenbildern und Stereotypen nicht genügen, wie die folgenden Detailergebnisse zeigen.
Anteil der Frauen- und Männerpräsenz nach Kategorien inklusive Entwicklungen (Veränderungen in Prozentpunkten) im Vergleich zur vorherigen Studie:

Fazit: Medien spiegeln (globalen) Backlash und Machtgefälle
Während das Gesamtergebnis bei der Bildsichtbarkeit im Vergleich zur vorherigen Studie (2022) auf den ersten Blick unverändert bleibt, offenbaren die Detailergebnisse in den diversen Kategorien zum Teil massive Verschiebungen.
- Bereiche, die gesellschaftlich, politisch oder wirtschaftlich als besonders einflussreich gelten, bleiben weiterhin stark männlich dominiert. Dies betrifft vor allem Politik, Wirtschaft, Finanzwesen, den Spitzensport sowie Zukunftsbranchen wie die IT.
- Jene wenigen Themenfelder, in denen Frauen häufiger vertreten sind als Männer, beschränken sich vor allem auf den Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich. Stark vertreten sind Frauen außerdem aktuell in Kultur, Landwirtschaft und in der Forschung. Auch im Journalismus und in der Medienbranche zeigt sich eine wachsende Sichtbarkeit von Frauen.
- Darüber hinaus erscheinen Frauen überdurchschnittlich häufig in traditionellen Rollenbildern, im Kontext von Beauty und Mode oder als Begleiterinnen prominenter Männer.
- Männer erscheinen medial deutlich häufiger als Täter, während Frauen häufiger als Betroffene von Gewalt dargestellt werden. Die zunehmende Präsenz von Frauen als Opfer in den Medien ist auch auf verstärkte internationale Berichte über (sexualisierte) Gewaltdelikte im Untersuchungszeitraum zurückzuführen (z. B. Fall Pelicot, Epstein-Files). Ebenso tragen die hohen Zahlen an Femiziden in Österreich – auch in der Steiermark – zu dieser Entwicklung bei. Eine rein quantitative Betrachtung greift jedoch zu kurz. Entscheidend ist auch das Wie der Berichterstattung, also welche Narrative über Gewalt gegen Frauen vermittelt und reproduziert werden (vgl. Media Affairs 2019).
- Insgesamt zeichnet die Berichterstattung ein unausgewogenes Bild von Frauen und Männern. Problematisch ist dabei nicht nur die geringe Gesamtpräsenz von Frauen, sondern auch die starke Konzentration weiblicher Sichtbarkeit auf stereotype Themenfelder.
Handlungsempfehlungen
Um die (mediale) Sichtbarkeit von Frauen nachhaltig zu stärken, können folgende Maßnahmen abgeleitet werden:
- Frauen müssen in allen entscheidungsrelevanten Positionen angemessen vertreten sein. Das ist eine Grundvoraussetzung. Mediale Sichtbarkeit ist immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. Mediale Parität ist dort unrealistisch und verzerrend, wo die Realität von einem großen Gender-Gap geprägt ist.
- Bewusstsein schaffen und Sensibilität fördern: Mediale Unterrepräsentation (gemessen an der Realität) entsteht nicht immer durch bewusste Ausgrenzung, sondern auch durch Routinen, etablierte Netzwerke und unreflektierte Auswahlprozesse.
- Gezielte Suche nach Expertinnen: Bei Interviewanfragen, Podiumsdiskussionen oder Stellungnahmen sollten Medien aktiv nach weiblichen Expertinnen und Repräsentantinnen suchen, anstatt sich auf bestehende männlich dominierte Netzwerke zu verlassen.
- Mehr Frauen in Redaktionen und Führungspositionen: Divers zusammengesetzte Redaktionen berichten vielfältiger. Die Ergebnisse zeigen, dass Journalistinnen häufig stärker zur Sichtbarkeit von Frauen beitragen. Eine ausgewogene Geschlechterverteilung in Redaktionen und Leitungsfunktionen ist daher ein wichtiger Hebel.
- Verbindliche Ziele definieren und evaluieren: Medienunternehmen sollten konkrete Zielsetzungen formulieren, etwa hinsichtlich der Sichtbarkeit von Frauen als Expertinnen, Interviewpartnerinnen oder Titelpersonen, und deren Erreichung regelmäßig überprüfen.
- Genderkompetenz in Aus- und Weiterbildung verankern: Themen wie Repräsentation, Vielfalt, unbewusste Biases und geschlechtergerechte Berichterstattung sollten fixer Bestandteil journalistischer Aus- und Fortbildungsangebote sein.
- Frauen für öffentliche Auftritte stärken und Karrieren fördern: Organisationen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen sollten verstärkt Trainings, Mentoringprogramme und Medientrainings anbieten, um Hemmschwellen abzubauen und Frauen zu öffentlicher Sichtbarkeit zu ermutigen. Gleichzeitig greifen solche Maßnahmen nur begrenzt, wenn Frauen nicht insgesamt stärker in Leitungs- und Machtpositionen vertreten sind.
- Vielfalt systematisch messen: Was gemessen wird, wird sichtbar. Regelmäßige Monitorings und Evaluierungen helfen dabei, Fortschritte zu dokumentieren, Problembereiche zu identifizieren und Maßnahmen evidenzbasiert weiterzuentwickeln.
Langversion der Studie
Lesen Sie die Langversion der Studie, um mehr über Methodik, Umfang der Analyse sowie den detaillierten Medienvergleich zur Bildpräsenz von Frauen und Männern in steirischen Leitmedien zu erfahren. Mehr dazu hier:
https://felin.at/studien/sichtbarkeit-von-frauen-in-steirischen-medien-studie-2026/
Presseabend im Steirischen Presseclub
Ein herzliches Dankeschön an alle, die dabei waren – für eure Zeit, eure Energie und eure Bereitschaft ins Gespräch zu gehen.
Ein großes Dankeschön an Mag.a Maria Pernegger und MediaAffairs für die langjährige gute Zusammenarbeit und Umsetzung der Studie.
Besonderer Dank gilt auch unseren Fördergeberinnen, die dazu beitragen, dass wir solche Studien durchführen können: Land Steiermark & Stadt Graz (Frauen & Gleichstellung). Vielen Dank auch die Vertreterinnen Hofrätin Mag.a Alexandra Nagl (Abteilungsleiterin A6 Bildung und Gesellschaft Land Steiermark) und Mag.a Ulrike Taberhofer (KPÖ Gemeinderätin) für ihre einführenden Grußworte.
Ein weiteres herzliches Dankeschön gilt den Expertinnen, die die Studie beim Presseabend für ihre Bereiche kontextualisiert und eingeordnet haben:
- Dipl.-Ing.in Dr.in Alice Loidl Holding Graz, Vorstandsdirektorin Infrastruktur & Energie
- Assoz. Prof.in Dr.in Andrea Kurz Medizinische Universität Graz, Rektorin
- Ao.Univ.-Prof.ini.R. Dr.inphil. Karin Schmidlechner-Lienhart Universität Graz, Geschichtswissenschafterin
- Mag.a Birgit Penker Frauen*service Graz, Geschäftsführerin
Vielen Dank auch an MMag.a Andrea Sittinger, die uns als Moderatorin durch den Abend begleitet hat.
Fotocredit: Karo Just / kreisbild








